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AUSTAUSCHJAHR

Man nehme eine große ovale Rasenfläche, acht Torpfosten, 44 Spieler und einen Ball ein Ei – schon kann man Australiens Nationalsport genießen: Australian Football. Klingt komisch? Es ist gewöhnungsbedürftig, ja. Aber sehr faszinierend!

Zuerst einmal muss gesagt werden, dass dieser Sport nicht nur Australian Football genannt wird, sondern auch als Aussie Rules oder australienmäßig abgekürzt einfach Footy (sprich Ffuddie) bezeichnet wird.

Gespielt wird auf einem Cricket-Feld, das heißt es ist eine riesige ovale Rasenfläche, die um die 165 Meter lang und circa 145 Meter breit ist. An jedem der beiden spitzen Enden stehen im Abstand von jeweils 6,40 Meter (7 Yards) vier Pfosten. Die beiden inneren, größeren sind die Torpfosten (goal posts), die beiden äußeren, kleineren die Nebenpfosten (point posts oder behind posts).

Auf diesem Platz spielen zwei Mannschaften mit je 18 Spielern (plus vier Auswechselspielern) gegeneinander:

Australian Football Aussie Rules Footy - Spielfeld

Mittellinien sind überflüssig - dafür braucht man eine 50-Meter-Linie um jedes Tor sowie ein mittiges Anstoß-Quadrat von 50 mal 50 Metern.

Ziel des Spiels ist es, den Ball (einen ei-förmigen Football) zwischen die beiden mittleren Torpfosten zu kicken, um ein Tor (goal) zu erzielen. Das gibt sechs Punkte. Ein interessanter Ansatz beim Footy ist aber, dass man auch dann Punkte bekommt, wenn man nicht trifft. Schießt man nämlich in eines der Nebentore oder gegen einen Hauptpfosten, so erzielt man ein behind, der wenigstens mit einem Trostpunkt vergütet wird.

Australian Football Aussie Rules Footy - Punktesystem

Ein interessantes Punktesystem

Prinzipiell darf der Ball mit jedem Körperteil beührt werden. Die einzige Einschränkung: Werfen ist STRIKT untersagt. Daraus haben sich zwei Passmethoden entwickelt: Der kick (Kicken des Balls mit dem Fuß) und der handball (der Ball ruht in einer Hand und wird mit der Faust der anderen weggeschlagen).

Australian Football Aussie Rules Footy - Kick - IMG_2459-2

Einen ovalen Ball zu schießen ist gar nicht so einfach...

Footy ist ein Vollkontakt-Sport – das heißt, dass der Ballbesitz jederzeit umstritten ist und nahezu alle Methoden erlaubt sind, sich diesen zu ergattern.

Essentiell ist daher das Erzielen von marks. Dieses bekommt man vom Schiedsrichter zugestanden, wenn man einen Ball fängt, der geschossen wurde, mindestens 15 Meter zurückgelegt hat und zwischendurch weder vom Boden noch von einem anderen Spieler berührt wurde. Durch ein Mark bekommt man den Ballbesitz unumstritten zugesprochen, kann sich also sein nächstes Ziel – sei es Tor oder Mitspieler – in Ruhe aussuchen und anvisieren.

Der Einsatz für Marks resultiert in spektakulären Luftzweikämpfen wie diesem hier:

Australian Football Aussie Rules Footy - Mark - IMG_2473-2

Eines der spektakulärsten Merkmale des Australian Footballs: Das Mark.

Die Kombination aus Kick und Mark sorgt für sehr schnelle Spielzüge, bei denen der Ball innerhalb von wenigen Sekunden am anderen Ende des Platzes sein kann.

Ebenfalls sehr wichtig ist das Tackling. Bei einem Tackle wird der gegnerische Spieler am Oberkörper umklammert und zu Boden gebracht. Gelingt dies, bekommt der tacklende Spieler einen Freistoß zugesprochen.

Australian Football Aussie Rules Footy - Tackle - IMG_2393

Ebenfalls ein wichtiges Element: Tackles

Damit es auf dem Platz trotzdem ordentlich zugeht, gibt es gleich acht Schiedsrichter. Drei auf dem Feld, zwei an den Außenlinien, je einer hinter jedem Tor und einer für die Organisation neben dem Spielfeld.

Gespielt werden vier Viertel (quarters) à 20 Nettominuten. Da die Uhr nach Toren und bei Spielverzögerungen angehalten wird (time on), werden es aber meistens 25 bis 30. Ein Spiel dauert somit knapp zwei Stunden.

Der Punktestand einer Mannschaft wird so notiert: 9.13.67. Das bedeutet in diesem Fall, dass das Team 9 Tore und 13 Behinds erzielt hat, was sich zu 9×6 + 13×1 = 67 addiert.

Australian Football Aussie Rules Footy - Alle drauf - IMG_2527-2

Alle drauf da!

Die einzige Profiliga der Welt ist die Australian Football League (AFL), in der 18 Mannschaften aus ganz Australien teilnehmen. Historisch bedingt kommen immernoch zehn Teams aus Melbourne, schließlich wurde das Spiel in den 1850ern HIER erfunden. In letzter Zeit gibt es aber immer mehr Clubs aus dem ganzen Land.

Auch wenn die Clubs normalerweise XYZ Football Club heißen, so werden sie im Alltag meistens zusammen mit ihrem Spitznamen genannt. Wenn man also hört: “Magpies defeating Cats”, dann weiß jeder, dass Collingwood gegen Geelong gewonnen hat.

Australian Football Aussie Rules Footy - Australian Football League AFL Clubs Vereine

Die Teams der AFL: Adelaide Crows, Brisbane Lions, Carlton Blues, Collingwood Magpies, Essendon Bombers, Fremantle Dockers, Geelong Cats, Gold Coast Suns, Greater Western Sydney Giants, Hawthorn Hawks, Melbourne Demons, North Melbourne Kangaroos, Port Adelaide Power, Richmond Tigers, St Kilda Saints, Sydney Swans, West Coast Eagles, Western Bulldogs. Grafik von Wikipedia.

Diese Vereine spielen im australischen Winter von März bis September eine Saison mit 23 Spieltagen (11 Heim, 11 Auswärts, 1 spielfrei). Die ersten acht tragen dann eine Finalrunde aus, die im Grand Final endet, dass jedes Jahr im Melbourne Cricket Ground stattfindet. In dieses Stadion im Herzen von Melbourne passen über 100.000 Leute – und zum Grand Final ist es IMMER ausverkauft. Das macht es zu einem der zuschauerstärksten Sportevents der Welt.

Zu einigen Vereinen lassen sich “Pendants” in der Fußball-Bundesliga finden:

  • Collingwood Magpies = Bayern München (Entweder man liebt oder man hasst sie)
  • Melbourne Demons = Schalke 04 (Erfolgreich gewesen, aber letzte Meisterschaft EWIG her)
  • Geelong Cats = Werder Bremen (In den letzten Jahren recht erfolgreich, aber jetzt auf einem absteigenden Ast)
  • Richmond Tigers = Hamburger SV (Waren mal gut, sind’s nicht mehr – denken’s aber noch)
  • Saint Kilda Saints = Bayer Leverkusen (Gut im Vizemeister werden: 3 mal in 2 Jahren bzw. 4 mal in 6 Jahren)
  • Western Bulldogs = Mainz (Nicht wirklich gut, aber sympathisch)
  • Adelaide Crows = VfL Wolfsburg (große Autofirma als finanzstarker Sponsor)

Hier sind noch ein paar Impressionen und einige weitere Regeln:

(Wenn ihr euch jetzt wundert, warum’s da so leer ist: Das war das Spiel von North Melbourne gegen die Adelaide Crows. North Melbourne ist nicht wirklich erfolgreich und wegen der ganzen anderen sehr guten Clubs in Melbourne nicht so beliebt, hat also nur eine sehr geringe Fanbasis. Adelaide ist 1000 Kilometer weg und entsprechend wenig Leute kommen zu diesem Auswärtsspiel. Das Stadion hat über 50.000 Plätze – für diese Begegnung eigentlich viel zu viele. Wenn aber zum Beispiel Collingwood gegen Carlton spielt, dann kommen mindestens 80.000 ins Stadion.)

So, dass war ein kleiner Einblick in die australische Sportwelt. Ich hoffe das Spiel ist einigermaßen klar geworden. :) Wer noch mehr lesen will, dem seien die Footy-Artikel in der deutschen und englischen Wikipedia sowie der Eintrag über die AFL empfohlen. Außerdem gibt es sogar eine deutsche Footy-Liga, die auf ihren Seiten auch über das Spiel informiert. Sehr informativ ist außerdem noch diese private Seite.

Noch Fragen? Ab in die Kommentare damit!

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AUSTAUSCHJAHR

Am Freitag hatte meine Gastmutter Freikarten für den Zirkus – also sind wir einfach mal hingegangen. Silvers Circus bewirbt sich selbst großmundig als “bester Zirkus Australiens”. Und das konnten sie auch recht glaubhaft vermitteln.

Es gab zwischendrin auch noch einige weitere Artisten – hier sind aber nur die, die ich neben dem Staunen auch noch fotografieren konnte. Besonders bemerkenswert ist dabei der Zauberer – was der gemacht hat, war wirklich grandios!

Es war eine sehr gelungene Show und ich bin froh, mitgegangen zu sein!

Update: Auf deren Webseite gibt es dank vielen Videos einen guten Einblick in das Programm!

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AUSTAUSCHJAHR

Ich habe soeben das 2012 Melbourne Earthquake überlebt.

Ja richtig gelesen: Hier hat vor ner knappen Stunde die Erde gewackelt. Magnitude 5,2. Epizentrum circa 125 Kilometer östlich von meinem Wohnort.

Karte der Lage des Epizentrums

E = Epizentrum, Punkt = Mein Haus

Ich war gerade vom Fußballtraining nach Hause gekommen und habe zu Abend gegessen, da fing es plötzlich an. Mein erster Gedanke: Im Obergeschoss springt irgendwer von nem Stuhl runter. Das komische Treiben ging aber weiter. Okay, vielleicht rennt und hüpft einer etwas länger oben rum.

Dann kam mein Gastbruder Taka aus seinem Zimmer und sprach von einem Erdbeben – er ist Japaner, also in solchen Dingen eigentlich gut bewandert. ;) Ich dachte aber irgendwie, er würde nur einen Witz machen. Erdbeben in Melbourne?! Nee, die sind hier doch ungefähr so sehr gefährdet wie wir in Wilhelmshaven. Also quasi gar nicht.

Doch dann schrieben mich einige auf Facebook an und fragten, ob ich “das Erdbeben auch gespürt” hätte – und da ich fing an zu realisieren: Das war kein Spaß von Taka, der meinte das ernst!

Im Nachhinein ist es für mich auch plötzlich alles ganz logisch: Das ganze Haus vibrierte und machte einen Brummton. Die Wände sah man zwar nicht wackeln, aber ich konnte fühlen, wie sich der Boden bewegte. Als ob mein Stuhl auf einem Brett stehen würde, welches wiederum auf lauter kleinen Murmeln platziert ist und von jemandem leicht hin- und hergeschoben wird. Nicht viel, nur fünf Zentimeter. Aber spürbar.

Dieser Mann beschreibt das ganz gut:

Innerhalb von Minuten wurden die Hashtags #earthquake und #melbourne globale Trending Topics auf Twitter, schossen auf Platz zwei bzw. vier der weltweiten Charts. Und dort bekam die Internetgemeinde dann auch erste Informationen über das Ausmaß der Katastrophe – dieses Bild ging um die Welt:

2012 Melbourne Earthquake - Umgefallener Gartenstuhl

Unter anderem via Twitter-User @m_atthew

Sehr schnell waren außerdem die erste Berichte auf Zeitungsseiten online und ich habe so gefühlte 73 Statusmeldungen auf Facebook darüber gesehen. Klar, schließich ist es ja auch für die Einheimischen ein ungewöhnlicher Vorgang.

Meine Gasteltern sagten nämlich, dass dies das stärkste Erdbeben war, das sie hier je erlebt haben. Die anderen waren “immer” (also dann, wenn sie so alle paar Jahre mal auftreten) nur Magnitude 2 oder 3. Und meine Gasteltern haben ein paar Jahre in Japan gelebt, sind also auch erprobt.

Ich hätte nie gedacht, dass SOWAS zu meinen Erinnerungen an mein Jahr in Australien gehören würde. Aber auch wenn’s nicht schlimm war: Mein erstes Erdbeben – ein krasses Gefühl!

UPDATE: Laut Herald Sun war es das stärkste Erdbeben in Victoria seit drei Jahrzehnten.

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