Header von beutelpost.de - Beutelpost - Christoph schreibt aus Australien

Tja, so schnell kanns dann doch gehen: Da haben wir uns gerade noch darüber beschwert, keinen Job zu finden und kaum einen Tag später sind wir schon auf dem Weg zu unserem ersten Arbeitsplatz: Birdsville.

Für alle, die sich jetzt fragen “Wo zum Teufel liegt denn Birdsville?!”, kommt hier die Antwort: Birdsville ist ein kleines Kaff von 295 Einwohnern mitten in der Simpson Desert, etwa 1500 Kilometer westlich von Brisbane.

Der Ort gehört zum Diamantina Shire. Der Landkreis, zu dem außer Birdsville nur noch Bedourie gehört, ist mit 94.667 km² größer als Bayern und Hessen zusammen, zählt aber laut dem letzten Zensus nur 322 Einwohner…

Wie um alles in der Welt kommt man also dazu, 1592 Kilometer über teilweise unbefestigte Straßen landeinwärts zu fahren, um in einem 295-Seelen-Dörfchen zu arbeiten?!

Nunja, einmal im Jahr finden in Birdsville die Birdsville Races statt, das zweitgrößte Pferderennen Australiens. Und deswegen überschwemmen am ersten Wochenende im September an die 7000 verrückte Australier den Ort mitten in der Wüste, um dort diese Rennen anzuschauen, ein Vermögen für Wetten auszugeben und zwischendurch (also die meiste Zeit) zu trinken und zu feiern.

Wir hatten in Noosa Plakate von einer gewissen Sandi gesehen, die das “Abenteuer Birdsville” plus freier Unterkunft, Verpflegung und sogar 300 Dollar Lohn versprachen, um den hungrigen Besuchern Hotdogs zu verkaufen.

Klang gut – also nix wie angerufen! Wir erfuhren von Sandi, die ziemlich verwundert über unsere fehlende Arbeitserfahrung war, dass der Hotdogstand eigentlich nur nebengeschäftlich laufe und wir uns im Internet über ‘Fred Brophys Boxing Tent’ informieren sollten. Nach einem sehr verstörenden Artikel, der uns zuerst etwas unsicher machte, fanden wir jedoch einen beruhigenderen Blogeintrag einer deutschen Backpackerin, die zwei Jahre zuvor mit den Brophys nach Birdsville gereist war. (Was das Boxing Tent ist, erfahrt ihr in den nächsten Artikeln. ;) )

Nach ein paar Telefonaten verabredeten wir, uns gleich am nächsten Tag auf den Weg nach Gympie zu machen, wo Sandi uns einsammeln und mit zu ihrem Pub in Kilkivan nehmen würde. Gesagt, getan; auch wenn die Reise nach Gympie ein wenig beschwerlicher war als sonst — denn natürlich fanden ausgerechnet an DIESEM Wochenende Wartungsarbeiten auf der Zugstrecke statt… Dafür war die Fahrt mit dem Schienenersatzverkehr kostenlos (für Backpacker eigentlich eh viel wichtiger)! :D

Sandi entpuppte sich als die mega nette (wenn auch oft sehr direkte ;) ) Frau von eben diesem Fred Brophy, der voll die Outback-Legende zu sein schien. (Darüber sollten wir in den nächsten Tagen noch so einiges erfahren.)

Nach einer Nacht und ein wenig Arbeit im Kilkivan Hotel ging es am nächsten Morgen etwas verspätet los, da ziemlich dichter Nebel über der ganzen Landschaft hing. Trotzdem wollten wir es an diesem Tag bis ins 671 Kilometer entfernte Charleville schaffen.

Die nebelige Hauptstraße von Kilkivan, fotografiert von der Hotel-Veranda

Auf den ersten Kilometern kamen wir an der Koehler’s Road und der Holznagel Road vorbei; scheinbar hatten hier wohl deutsche Auswanderer ihre neue Heimat gefunden. Durch die Örtchen Wondai, Durong, Chinchilla und Miles ging es bis nach Roma, wo wir zum Mittagessen Zwischenhalt machten.

Roma war früher einmal das Zentrum des Outbacks von Queensland. Damals konnte man ein Pfund Wolle für 1 Pfund verkaufen, damals eine unglaubliche Menge Geld. Und da das Land um Roma hervoragende Weidegründe für Schafe bot, florierte die Stadt prächtig. Heute ist Roma nicht mehr ganz so prominent auf der Landkarte verzeichnet, behält aber immernoch die Funktion als Zentrum für eine nicht all zu kleine Region und ist groß genug, um nicht nur ein respektables Einkaufszentrum und allgemein Shops jeder Sorte, sondern auch einen McDonalds zu beherbergen – das ultimative Zeichen von Zivilisation ;-)

Nach einem Imbiss im “Restaurant zum güldenen M” ging es weiter über Muckadilla nach Mitchell. Große Teile des australischen Outbacks hängen von der Wasserversorgung durch unterirdische Speicher ab. Die Region hier erhält ihr Wasser vom Großen Artesischen Becken, das sich über 1,7 Millionen Quadratkilometer (ja, fast fünfmal so groß wie Deutschland!!!) unter dem roten Wüstensand erstreckt. Das Wasser lagert bis zu 3 km tief in der Erde und tritt deshalb durch die Erdwärme erhitzt mit Temperaturen zwischen 40 und 100 °C an die Erdoberfläche.

In Mitchell nun haben findige Leute diese Gegebenheit genutzt, um ein natürliches Spa zu erschaffen: Herrlich angenehm warmes Wasser, das wir auf einem Zwischenstopp genießen konnten. :)

Das heiße Wasser plätschert aus dem Rohr direkt ins Becken *__*

Die Weite des Outbacks, nur wenige Kilometer hinter Mitchell

Über Mungallala und Morven fuhren wir nun bis nach Charleville – allerdings nicht ganz ungestört: Wir befanden uns gerade auf der letzen Etappe der Strecke, die Dämmerung setzte bereits ein, als sich ein Känguru entschied, einen Spaziergang zu machen. Es hüpfte durch die malerische Landschaft im Licht des Sonnenuntergangs, über die Straße und direkt in unser Auto. Es gab einen VERDAMMT lauten Rumms, ich (Christoph) riss auf dem Beifahrersitz reflexartig die Hände hoch und ich (Daniel) sah, wie das Beuteltier tödlich getroffen am Straßenrand entlang rollte…

Wir waren MEGA geschockt, aber Sandi sagte nur routiniert “that roo probably did a lot of damage to my car” und fuhr weiter.

Tatsächlich: Kaputter Scheinwerfer, eingedrückte Roobar und sogar ein bisschen Fell am Nebelscheinwerfer...

In Charleville bezogen wir unsere Zimmer, bis wir zum lokalen RSL Club zum Dinner gingen. RSL steht für Returned Servicemen League, also eine Vereinigung zur Unterstützung von Veteranen und Soldaten allgemein. In Australien nimmt man sich denen, die sich für ihr Land verpflichtet haben, deutlich mehr an und unterstützt sie – das merkt man nicht nur an solchen Einrichtungen, in denen Spenden gesammelt und jeden Abend um 19 Uhr mit einer Zeremonie an die gefallenen Soldaten erinnert wird, sondern auch an der gesamten Haltung der Gesellschaft: Soldaten wird viel mehr Respekt und Anerkennung entgegengebracht als wir das von Deutschland aus gewohnt sind und man findet überall in Australien (auch in SEHR kleinen Orten) Gedenkstätten. Am 25. April ist darüberhinaus ANZAC Day, ein nationaler Feiertag, an dem im GANZ großen Stil an die Verdienste der Servicemen (und natürlich -women) erinnert wird (siehe dazu auch Christophs Beitrag vom ANZAC Day 2012).

Das Hotel Coronoes in Charleville

Charleville gehört übrigens auch zu den Orten, die ihr Wasser aus dem Great Artesian Basin beziehen. Das hat den angenehmen Nebeneffekt für Hausbesitzer, dass man keine Kosten für Warmwasseraufbereitung, da das Wasser ja eh schon ziemlich heiß aus der Erde kommt. Das Schlechte: Es gibt nicht wirklich kaltes Wasser. Und im Outback hätte man letzteres oft lieber… Das führt zu der für uns paradoxen Situation, dass man im Hotel gebeten wird, ruhig eine lange heiße Dusche zu nehmen — man solle nur bitte aufpassen, nicht das ganze kalte Wasser aufzubrauchen ;-)

Die erste Etappe war schon mal geschafft. Was der nächste Morgen bringt? Das könnt ihr bald im nächsten Post lesen ;)

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Seit Donnerstag hat für uns das harte Leben eines Backpackers begonnen – unsere Eltern haben uns beim “flashpackers”, einem Hostel in Noosa, abgesetzt und sind weiter Richtung Brisbane gefahren. Für uns heißt das: Ab jetzt gehts ans Gesparte!
Naja, dem ist ja leicht beizukommen, indem man sich nen Job sucht und Geld verdient – dachten wir zumindest.
Leider geht das nicht so schnell mit dem Geldverdienen, denn man muss ja erstmal jemanden finden der uns einstellt. Also auf zum Copyshop und ein paar CVs (also Lebensläufe) ausgedruckt für 20ct pro Kopie; ganz schön happig…
Dann ab in die Sunshine Beach Road und die Cafes abklappern: ” We’re two German backpackers looking for a job here in Noosa.” Keine Ahnung wie oft wir jetzt schon ein Gespräch so angefangen haben.
Leider war unsere Jobsuche in dieser Straße nicht so erfolgreich, außer dass wir von mehreren Cafébesitzern in die Hastingstreet, die örtliche Flaniermeile, verwiesen wurden, weil dort wohl mehr los sei.
In der Tat wurden wir dort auch einige resumes (= CV) los, jedoch meistens mit dem Zusatz, dass wir wahrscheinlich noch ein paar Wochen bis zum Ferienbeginn warten müssten, da dann viel mehr los sei. Wir könnten allerdings noch zur Gympie Terrace, einer Straße am Noosa River, und dort die Cafés und Restaurants besuchen…
Also liefen wir gestern bis nach Noosaville und durch die Gympie Terrace und HEY! Die Gaststätten in Noosa sind alle von der Urlaubssaison abhängig, was für eine Neuigkeit!
Naja, jetzt heißt es erstmal abwarten und Tee trinken Urlaub machen ;)

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