Header von beutelpost.de - Beutelpost - Christoph schreibt aus Australien

Als wir am nächsten Morgen aufwachten war es eisekalt, wirklich! Nur um die 3 Grad. Unser heutiges Tagesziel Canberra liegt in einer der kältesten Regionen Australiens, die weite Entfernung vom Meer macht sich bemerkbar, und ebenso die Höhe…

Die kleine nette Rest Area, die wir uns diese Nacht ausgesucht hatten

Die Einfallstraße in die Hauptstadt ist groß und breit, und schon Kilometer vorher wird groß das Visitor Centre ausgeschildert. Diesen folgten wir zielstrebig, denn laut WikiCamps sollte man in den dortigen Waschräumen auch eine Dusche finden, die wir natürlich gerne nutzten. Kostenlos FTW! :D

Kühe links und freie Fahrt - da fühlt man sich fast wie auf der A29! :D

Auf dem Gelände der Australian National University trafen wir uns mit Lewis, einem Studenten, der vor zwei Jahren mit Christoph auf’s Elwood College ging und nun hier in Canberra studiert. Er wollte uns ein bisschen durch die Stadt führen und nahm uns gleich mit Richtung Parlamentsgebäude, das prominent auf (oder besser im?) Capital Hill das Zentrum der Stadt bildet. Wir parkten direkt unter dem Parlament und stiegen die Treppen zum Eingang hinauf.

Ja, die haben eine Tiefgarage unter ihrem wichtigsten politischen Gebäude! Was schon irgendwie absurd ist, wenn man bedenkt, dass das Terror Threat Level erst ein paar Wochen zuvor von medium auf high erhöht worden war...

Canberra wurde bei der Federation 1901 zur Hauptstadt gemacht, da sich Sydney (als erste Kolonie überhaupt) und Melbourne (damals größer, reicher und wichtiger) um diese Ehre stritten und man es eben weder den einen noch den anderen recht machen wollte. Canberra lag in New South Wales, aber dennoch weit genug von Sydney weg, also baute man dort, auf der grünen Wiese, eine am Reißbrett entworfene Hauptstadt.

Bis sie fertig war, dauerte es allerdings noch 26 Jahre (währenddessen tagte das Parlament dann doch in Melbourne, ätsch Sydney! :P ), bis das Parlament in ein vorläufiges Gebäude in Canberra umziehen konnte. Der “vorläufige” Status hielt für sechs Jahrzehnte an, bis man es anlässlich des 200. Jahrestages der ersten europäischen Besiedelung Australiens im Jahr 1988 endlich fertig brachte, das “richtige, echte” Parlament auf dem Capital Hill fertigzustellen.

Schick und imposant sieht es ja schon aus, vor allem mit der riesigen Flagge auf dem Dach

Beide kann man besichtigen, der Eintritt ist kostenlos, sehr löblich. ;) Wir hatten das Glück, dass nur wenige Minuten nach unserer Ankunft sogar eine geführte Tour losging, der wir uns kurzerhand anschlossen.

Mit diesem Anblick wird man innen empfangen, marmorne Säulen in einer großen Halle. Staatstragend! *badummtss*

Die Führung startete in der Great Hall, einer riesigen Halle, die für Festakte sowohl politischer als auch öffentlicher und privater Art (z.B. Hochzeiten) genutzt wird und in der eine 20m breite und 9m hohe Tapisserie (also ein Bild aus Stoff) hängt, dessen Vorlage ein Ölgemälde des Künstlers Arthur Boyd ist. Zu sehen ist ein Wald in New South Wales, dessen Bäume den in der Halle verwendeten Hölzern entsprechen. Es soll einen Eindruck der australischen Landschaft vermitteln und jeder, der durch den von der Tapisserie eingerähmten Südeingang der Halle geht, soll sich fühlen, als würde er durch diese Landschaft wandern.

Anschließend besuchten wir die Sitzungssäle des House of Representatives und des Senates. Das House of Representatives ist quasi der Bundestag Australiens. Einige Ähnlichkeiten bestanden, so zum Beispiel die Besuchertribünen, von denen man wie in Deutschland den Parlamentssitzungen zusehen kann. Außerdem sitzt der Speaker of the House of Representatives, das Pendant zum Bundestagspräsidenten, auch vor dem Parlament an erhöhter Position und es gibt genau geregelte Redezeiten.

Ansonsten unterscheiden sich das australische und das deutsche Parlament deutlich. Die Mitglieder sitzen nicht nach politischer Gesinnung verteilt und es gibt auch keine wirkliche Regierungsbank. In der Mitte, direkt vor dem Pult des Parlamentssprechers, steht ein Tisch mit insgesamt vier Stühlen – auf der rechten Seite (immer vom Parlamentssprecher aus gesehen) sitzen der Prime Minister und sein Stellvertreter, direkt gegenüber der Oppositonsführer und dessen Stellvertreter. Auf den Bänken dahinter sitzen die Parlamentsmitglieder (MPs) der Regierugspartei/-koalition bzw. der Oppositionspartei(en). Regierung und Opposition sitzen sich hier also direkt gegenüber.
Gegenüber des Parlamentssprechers befinden sich noch mehrere halbkreisförmige Sitzreihen, auf denen die crossbencher Platz finden, also jene MPs, die weder zur Regierung noch zur (Haupt-)Opposition gehören.

Leider waren wir ausgerechnet am Wochenende gekommen, sodass wir keiner Parlamentssitzung zusehen konnten…

Wir beide im Herzen der australischen Demokratie!

Der Senat sieht wie eine Kopie des Repräsentantenhauses aus, nur in Rottönen anstatt in Grüntönen gehalten. Zudem befindet sich hinter dem Stuhl des Senatsprechers ein weiter Sitz: Hier nimmt die Queen persönlich platz, wenn sie das Parlament besucht – was bisher noch nie vorgekommen ist. Ihr ständiger Stellvertreter für Australien, der Governor-General, besucht den Senat jedoch öfter mal und nutzt dann diesen Thron (er wohnt ja auch in Canberra und somit ein bisschen näher als die Queen ;) )

Übrigens wacht auch hier das Staatswappen über die Parlamentarier; dabei interessant: Der Emu und das Känguru schauen sich nicht wie üblich gegenseitig an, sondern richten ihre Blicke wachend auf das Parlament und seine Mitglieder.

Auch draußen am Gebäude gibt es ein großes Wappen

Innen dominieren Holz, helle Farben und viel Licht den Bau, der sehr modern anmutet und seinem edlen Anspruch gerecht wird.

Dies ist der Blick vom "Dach" (d.h. höchsten Punkt des Hügels). Man erkennt die Symmetrie der Stadt, die alle Achsen auf den Capital Hill zulaufen lässt. Und man erkennt außerdem: Es gibt hier viiiiel Platz ;)

Dann gingen wir zum alten Parlamentsgebäude und es wurde klar, warum man unbedingt ein neues brauchte: Das alte ist krass klein, die Büros winzig und dennoch mit mehreren Leuten belegt. Man kann durch alle damaligen Räume hindurchspazieren, auch das Arbeitszimmer des Premierministers! Früher schien die Politik noch sorgenloser zu sein als heutzutage, denn das Büro liegt an der Außenfassade des Gebäudes und der Premier sitzt mit dem Rücken zum Fenster, unter dem eine ganz normale Straße entlang führt…

Das alte House of Representatives. Die Ähnlichkeit ist unverkennbar, aber die neue Variante ist definitiv geräumiger!

Hier saßen über sechzig Jahre lang die australischen Premierminister, um ihre Amtsgeschäfte zu führen

Das ganze Parlamentsgebäude ist so eingerichtet, als seien die Politiker, Journalisten und sonstigen Mitarbeiter gestern erst ausgezogen, sodass man ein Gefühl für das politische Leben Canberras vor der Fertigstellung des neuen Gebäudes bekommt. Hier ein typisches Büro... Klein? Ja, aber es ging auch schlimmer: Die meisten MPs hatten nur ein Schließfach in ihrem Sitz als "Büro" und mehr nicht...

Als nächstes stiegen wir wieder ins Auto und fuhren einige Minuten aus der Innenstadt hinaus zur Royal Australian Mint, der australischen Münzprägestätte. Auch hier kann man kostenlos eine Tour mitmachen, wobei uns leider auch hier aufgrund des Sonntags die Action entging: Die Maschinen standen still.

Der große Container unten links enthält einen Millionenbetrag - in Fünf-Cent-Münzen

Dennoch ist die australische Münzgeschichte außerordentlich interessant: Die ersten Sträflinge brauchten kein Geld, denn damals konnte man einfach zum Government Store gehen und bekam, was man brauchte. Doch schon bald erwuchs der Bedarf einer Währung und man ließ englische Pfund nach Australien verschiffen. Das Problem: England hatte damals eigentlich selbst schon zu wenig Münzen, wodurch Australien an einer notorischen Geldknappheit litt. Diese wurde noch dadurch verschlimmert, dass die Schiffe, die das Land mit allem versorgten, was nicht lokal hergestellt werden konnte, natürlich wiederum bezahlt werden wollten und so Münze um Münze wieder das Land verließ.

Irgendwann ließ man dann eine Ladung spanischer Münzen kommen und bediente sich eines eher unkonventionellen Tricks: Man stanzte aus jeder Münze die Mitte hinaus, und traf so zwei Fliegen mit einer Klappe: Man erhielt jeweils zwei Münzen zum Preis von einer und erreichte zudem, dass diese außerhalb des Landes quasi wertlos waren, womit sie für die Importschiffe uninteressant wurden und nur noch innerhalb Australiens zirkulierten.

Unsere letzte Station sollte das Australian War Memorial sein. Ich (Christoph) erwartete so etwas wie den Shrine of Remembrance in Melbourne, doch die Institution entpuppte sich zunächst als ein riesiges Militärmuseum. Die Ausstellung war zum einen höchst interessant, zum anderen jedoch auch ein bisschen befremdlich, da die Taten der australischen Streitkräfte hier nahezu uneingeschränkt glorifiziert werden. In einer Ausstellung zum Zweiten Weltkrieg wird zum Beispiel ausführlich dargelegt, unter welcher von Flaks ausgehender Todesgefahr australische Piloten Bombenangriffe auf Deutschland flogen, das Leiden der deutschen Zivilbevölkerung unter der zumindest fraglichen Härte der alliierten Bombardierung wird jedoch nur seeeehr am Rande erwähnt.

Zu dieser Haltung passt, dass hier – im Nationalen Kriegsdenkmal Australiens! – fast schon triumphmäßig die große Namensplakette der Möhnetalsperre ausgestellt ist, die 1943 von Bombern stark beschädigt wurde und deren Überlaufen zum Tod tausender Menschen führte…

Am Ende fanden wir dann doch noch den Gedenkbereich, der in der Tat ganz nett gestaltet ist. Ein Innenhof mit Wasserbecken und akkurat geschnittenen Pflanzen bietet erstaunliche Ruhe, in der man zum Nachdenken kommt. In den Mauern finden sich alle Einsatzorte der australischen Einheiten eingraviert und entlang einer laaangen Wand sind alle gefallenen Soldaten aufgelistet. Beeindruckend – aus Deutschland kennen wir derartige Gedenkstätten ja nicht wirklich, denn wir sind ja ausschließlich mit Hinterfragen beschäftigt…

Dann hatten wir auch schon an die sieben Stunden in Canberra verbracht – wenn wir ausnahmsweise mal im Hellen an unserem Übernachtungsplatz ankommen wollten, mussten wir uns nun ziemlich beeilen ;) Wir mussten noch Lewis wieder absetzen, unseren Wagen auftanken, neues Eis für unsere Esky-Kühlbox besorgen… Und deswegen unser Tagesziel mal wieder korrigieren ;) Jetzt hieß unser Stop Gundagai, ein Kleinstädtchen im südlichen New South Wales.

Dort kamen wir bei langsam einsetzender Dunkelheit an; der Platz ist im Prinzip nur eine große Wiese, aber frisch gemäht und direkt am Fluss, sehr ruhig, ein schöner Spot! Also warfen wir gleich den Gaskocher an und bereiten uns nun Nudeln mit Tomatensoße zu — jaaaa, sehr anspruchsvoll, aber keine Angst, wir haben noch ne Dose Lachs in petto, das heißt es wird die Tage noch ein bisschen “edler” ;)

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Tja, so schnell kanns dann doch gehen: Da haben wir uns gerade noch darüber beschwert, keinen Job zu finden und kaum einen Tag später sind wir schon auf dem Weg zu unserem ersten Arbeitsplatz: Birdsville.

Für alle, die sich jetzt fragen “Wo zum Teufel liegt denn Birdsville?!”, kommt hier die Antwort: Birdsville ist ein kleines Kaff von 295 Einwohnern mitten in der Simpson Desert, etwa 1500 Kilometer westlich von Brisbane.

Der Ort gehört zum Diamantina Shire. Der Landkreis, zu dem außer Birdsville nur noch Bedourie gehört, ist mit 94.667 km² größer als Bayern und Hessen zusammen, zählt aber laut dem letzten Zensus nur 322 Einwohner…

Wie um alles in der Welt kommt man also dazu, 1592 Kilometer über teilweise unbefestigte Straßen landeinwärts zu fahren, um in einem 295-Seelen-Dörfchen zu arbeiten?!

Nunja, einmal im Jahr finden in Birdsville die Birdsville Races statt, das zweitgrößte Pferderennen Australiens. Und deswegen überschwemmen am ersten Wochenende im September an die 7000 verrückte Australier den Ort mitten in der Wüste, um dort diese Rennen anzuschauen, ein Vermögen für Wetten auszugeben und zwischendurch (also die meiste Zeit) zu trinken und zu feiern.

Wir hatten in Noosa Plakate von einer gewissen Sandi gesehen, die das “Abenteuer Birdsville” plus freier Unterkunft, Verpflegung und sogar 300 Dollar Lohn versprachen, um den hungrigen Besuchern Hotdogs zu verkaufen.

Klang gut – also nix wie angerufen! Wir erfuhren von Sandi, die ziemlich verwundert über unsere fehlende Arbeitserfahrung war, dass der Hotdogstand eigentlich nur nebengeschäftlich laufe und wir uns im Internet über ‘Fred Brophys Boxing Tent’ informieren sollten. Nach einem sehr verstörenden Artikel, der uns zuerst etwas unsicher machte, fanden wir jedoch einen beruhigenderen Blogeintrag einer deutschen Backpackerin, die zwei Jahre zuvor mit den Brophys nach Birdsville gereist war. (Was das Boxing Tent ist, erfahrt ihr in den nächsten Artikeln. ;) )

Nach ein paar Telefonaten verabredeten wir, uns gleich am nächsten Tag auf den Weg nach Gympie zu machen, wo Sandi uns einsammeln und mit zu ihrem Pub in Kilkivan nehmen würde. Gesagt, getan; auch wenn die Reise nach Gympie ein wenig beschwerlicher war als sonst — denn natürlich fanden ausgerechnet an DIESEM Wochenende Wartungsarbeiten auf der Zugstrecke statt… Dafür war die Fahrt mit dem Schienenersatzverkehr kostenlos (für Backpacker eigentlich eh viel wichtiger)! :D

Sandi entpuppte sich als die mega nette (wenn auch oft sehr direkte ;) ) Frau von eben diesem Fred Brophy, der voll die Outback-Legende zu sein schien. (Darüber sollten wir in den nächsten Tagen noch so einiges erfahren.)

Nach einer Nacht und ein wenig Arbeit im Kilkivan Hotel ging es am nächsten Morgen etwas verspätet los, da ziemlich dichter Nebel über der ganzen Landschaft hing. Trotzdem wollten wir es an diesem Tag bis ins 671 Kilometer entfernte Charleville schaffen.

Die nebelige Hauptstraße von Kilkivan, fotografiert von der Hotel-Veranda

Auf den ersten Kilometern kamen wir an der Koehler’s Road und der Holznagel Road vorbei; scheinbar hatten hier wohl deutsche Auswanderer ihre neue Heimat gefunden. Durch die Örtchen Wondai, Durong, Chinchilla und Miles ging es bis nach Roma, wo wir zum Mittagessen Zwischenhalt machten.

Roma war früher einmal das Zentrum des Outbacks von Queensland. Damals konnte man ein Pfund Wolle für 1 Pfund verkaufen, damals eine unglaubliche Menge Geld. Und da das Land um Roma hervoragende Weidegründe für Schafe bot, florierte die Stadt prächtig. Heute ist Roma nicht mehr ganz so prominent auf der Landkarte verzeichnet, behält aber immernoch die Funktion als Zentrum für eine nicht all zu kleine Region und ist groß genug, um nicht nur ein respektables Einkaufszentrum und allgemein Shops jeder Sorte, sondern auch einen McDonalds zu beherbergen – das ultimative Zeichen von Zivilisation ;-)

Nach einem Imbiss im “Restaurant zum güldenen M” ging es weiter über Muckadilla nach Mitchell. Große Teile des australischen Outbacks hängen von der Wasserversorgung durch unterirdische Speicher ab. Die Region hier erhält ihr Wasser vom Großen Artesischen Becken, das sich über 1,7 Millionen Quadratkilometer (ja, fast fünfmal so groß wie Deutschland!!!) unter dem roten Wüstensand erstreckt. Das Wasser lagert bis zu 3 km tief in der Erde und tritt deshalb durch die Erdwärme erhitzt mit Temperaturen zwischen 40 und 100 °C an die Erdoberfläche.

In Mitchell nun haben findige Leute diese Gegebenheit genutzt, um ein natürliches Spa zu erschaffen: Herrlich angenehm warmes Wasser, das wir auf einem Zwischenstopp genießen konnten. :)

Das heiße Wasser plätschert aus dem Rohr direkt ins Becken *__*

Die Weite des Outbacks, nur wenige Kilometer hinter Mitchell

Über Mungallala und Morven fuhren wir nun bis nach Charleville – allerdings nicht ganz ungestört: Wir befanden uns gerade auf der letzen Etappe der Strecke, die Dämmerung setzte bereits ein, als sich ein Känguru entschied, einen Spaziergang zu machen. Es hüpfte durch die malerische Landschaft im Licht des Sonnenuntergangs, über die Straße und direkt in unser Auto. Es gab einen VERDAMMT lauten Rumms, ich (Christoph) riss auf dem Beifahrersitz reflexartig die Hände hoch und ich (Daniel) sah, wie das Beuteltier tödlich getroffen am Straßenrand entlang rollte…

Wir waren MEGA geschockt, aber Sandi sagte nur routiniert “that roo probably did a lot of damage to my car” und fuhr weiter.

Tatsächlich: Kaputter Scheinwerfer, eingedrückte Roobar und sogar ein bisschen Fell am Nebelscheinwerfer...

In Charleville bezogen wir unsere Zimmer, bis wir zum lokalen RSL Club zum Dinner gingen. RSL steht für Returned Servicemen League, also eine Vereinigung zur Unterstützung von Veteranen und Soldaten allgemein. In Australien nimmt man sich denen, die sich für ihr Land verpflichtet haben, deutlich mehr an und unterstützt sie – das merkt man nicht nur an solchen Einrichtungen, in denen Spenden gesammelt und jeden Abend um 19 Uhr mit einer Zeremonie an die gefallenen Soldaten erinnert wird, sondern auch an der gesamten Haltung der Gesellschaft: Soldaten wird viel mehr Respekt und Anerkennung entgegengebracht als wir das von Deutschland aus gewohnt sind und man findet überall in Australien (auch in SEHR kleinen Orten) Gedenkstätten. Am 25. April ist darüberhinaus ANZAC Day, ein nationaler Feiertag, an dem im GANZ großen Stil an die Verdienste der Servicemen (und natürlich -women) erinnert wird (siehe dazu auch Christophs Beitrag vom ANZAC Day 2012).

Das Hotel Coronoes in Charleville

Charleville gehört übrigens auch zu den Orten, die ihr Wasser aus dem Great Artesian Basin beziehen. Das hat den angenehmen Nebeneffekt für Hausbesitzer, dass man keine Kosten für Warmwasseraufbereitung, da das Wasser ja eh schon ziemlich heiß aus der Erde kommt. Das Schlechte: Es gibt nicht wirklich kaltes Wasser. Und im Outback hätte man letzteres oft lieber… Das führt zu der für uns paradoxen Situation, dass man im Hotel gebeten wird, ruhig eine lange heiße Dusche zu nehmen — man solle nur bitte aufpassen, nicht das ganze kalte Wasser aufzubrauchen ;-)

Die erste Etappe war schon mal geschafft. Was der nächste Morgen bringt? Das könnt ihr bald im nächsten Post lesen ;)

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AUSTAUSCHJAHR

“They shall not grow old, as we that are left grow old:
Age shall not weary them, nor the years condemn.
At the going down of the sun and in the morning,
We will remember them. Lest we forget.”Ode of Remembrance/For the Fallen von Laurence Binyon

Am heutigen 25. April ist ANZAC Day. Benannt nach den Australian and New Zealand Army Corps gedenken die Australier und Neuseeländer an diesem Tag ihrer Soldaten, die für ihr Vaterland gedient haben und würdigen besonders jene, die im Einsatz gefallen sind.

In beiden Ländern ist der ANZAC Day Nationalfeiertag und entgegen anderen Feiertagen (wie zum Beispiel dem Australia Day) wird dieser sehr ernst genommen. Das öffentliche Leben läuft bis 13 Uhr auf Sparflamme. Sogar der sonst an ausnahmslos JEDEM Tag von 8 bis 24 Uhr geöffnete Supermarkt schließt bis zur Mittagszeit seine Türen.

ANZAC Day 2012 Melbourne Australien - Safeway Trading Hours

Safeway/Woolworths schließt tatsächlich!

In der Morgendämmerung gibt es an Kriegsdenkmälern überall im Land sogenannte Dawn Services, an denen viele viele Menschen – in den größeren Städten Zehntausende – teilnehmen. Sie gedenken mit Gebet, Kranzniederlegung, Trompeten (“The Last Post” und “Reveille”), einer Schweigeminute und den Nationalhymnen beider Staaten der Soldaten, während über ihnen langsam die Sonne aufgeht.

Die Zeitung Herald Sun (Boulevardblatt, aber nicht ganz so schlimm wie die Bild) hat dazu auf ihrer Seite ein Video von heute:

Das macht mir echt Gänsehaut.

Nach dem Dawn Service ging es mit einem Veteranen-Marsch weiter. Eigentlich wollte ich ihn mir live anschauen, aber da bei uns diese Woche – wie ihr in dem Video sicherlich gehört und gesehen habt – ein absolutes Sauwetter war ist, habe ich es mir nur von zu Hause im Fernsehen angesehen.

ANZAC Day 2012 Melbourne Australien - Veteran Parade 01 - IMG_0613

Der Veteranenmarsch - leider bei schlechtestem Wetter.

Ich muss sagen, ich bin sehr beeindruckt, welch einen hohen Stellenwert der Militärdienst in Australien hat und wie hoch dieser auch anerkannt wird. In Deutschland sind Zeremonien wie diese (soweit ich weiß – korrigiert mich, wenn ich falsch liege!) leider irgendwie nicht üblich.

Auch den Grund, warum ANZAC Day gerade am 25. April ist, kennt hier wirklich jeder: Am 25. April 1915 kämpften im Ersten Weltkrieg die australischen und neuseeländischen Truppen das erste Mal in einem Krieg. Die Schlacht von Gallipoli ist hier in Down Under jedem ein geläufiger Begriff, war sie doch für das Nationalbewusstsein der so jungen Nationen (Australien war gerade seit 15 Jahren unabhängig, Neuseeland sogar erst seit 7 Jahren) von enormer Bedeutung.

Ein besonderes “Essen” des ANZAC Days sind übrigens die ANZAC Biscuits. Gemacht mit Mehl, Butter, Zucker, Haferflocken, Kokosnuss und Zuckerrübensirup ergeben sie einen überaus leckeren Keks. Die Packung ist schon halb leer! ;)

Das war mein Mittwoch – keine Schule, dafür Erinnerung. Fand ich gut.

Lest we forget – Auf dass wir niemals vergessen!

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