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AUSTAUSCHJAHR

Solange man im Schlafsack liegt, ist es wunderbar warm. Wenn man aber aufstehen muss, sind zwei Grad doch ganz schön kühl.

Es gibt ein geschwindes Frühstück, denn um sechs Uhr wollen wir los, um rechtzeitig zum Sonnenaufgang am Uluru zu sein. Gestern Abend haben wir unser Zentralgestirn noch beim Untergehen zugeschaut, jetzt gucken wir ihr beim Aufstehen zu. :)

Es ist in der Tat bitterkalt, meine Finger sind nach kurzer Zeit abgefroren.

Die Grasflächen um den Uluru liegen noch im Schatten, sodass das normalerweise gelbliche Spinifex-Gras ganz weiß erscheint und an eine Schneelandschaft erinnert.

Nach und nach schiebt sich die Sonne über den Horizont. Das tiefe Blau des Himmels wechselt über schmale Streifen von Rot, Orange und Gelb zum normalen Himmelblau. Nach und nach werden kleine Stellen des roten Gesteins vom nächtlichen Grau-Braun zum strahlenden Rot-Orange erweckt. Und das Gras bekommt langsam seine gelbe Farbe zurück.

Outback - Sonnenaufgang am Uluru Ayers Rock - IMG_4715

Ein verrückter Anblick: Uluru mit weißer Umgebung

Man könnte Uluru besteigen. Allerdings bitten die Aborigines darum, es nicht zu tun. Der Berg ist ihnen heilig und sollte deswegen nicht erklommen werden. Außerdem sind beim Versuch schon “zu viele Menschenleben” verloren gegangen. Stattdessen wird eine Wanderung rundherum vorgeschlagen. Also tun wir das.

Dieser Wanderweg ist vermutlich sogar deutlich eindrucksvoller als die Besteigung. Denn obwohl ich diesen berühmten Felsen schon gefühlt siebenundzwanzigtausend Mal auf Bildern gesehen habe, ist mir noch nie richtig aufgefallen, dass er so zerklüftet ist. Und auch nicht, dass um ihn herum so viel Vegetation sprießt.

Außerdem ist mir neu, dass es am Berg auch diverse Höhlen gibt. Besonders reihen sie sich am Mala Walk, einem Wanderweg, der auf Schildern die Dreamtime-Geschichte des Mala-Volkes erzählt. (Dreamtime ist die Schöpfungsgeschichte der Aborigines.) Für diesen Weg führt uns ein echter Anangu, also ein Mann aus dem Volk, das seit Jahrtausenden im Gebiet des Ulurus lebt.

Diese Führung ist wirklich etwas besonderes. Nicht nur, weil er uns so einiges zeigt, “was die ganzen Guides nicht wissen”. Sondern auch, weil er die Anangu-Sprache spricht. Mit ihm ist ein Übersetzter, der den völlig fremd klingenden Aborigine-Dialekt (es gibt so circa 200 verschiedene) in Englisch überträgt.

Outback - Höhle am Uluru - Mala Walk - Kulpi Minymaku - IMG_4962

Hier, in Kulpi Minymaku, wohnten einst die Frauen und Kinder des Mala-Volkes.

Nach diesen interessanten Eindrücken zu diesem Berg, von dem man meinte, schon alles zu wissen, und ein paar Hamburgern Outback Style geht’s wieder auf die Straße. Sind ja nur 300 Kilometer bis zum Wattarka National Park, in dem die nächste große Attraktion auf uns wartet: Kings Canyon.

Unterwegs hält uns Duckie mit einem Filmmusik-Quiz bei Laune – trotzdem ist der Halt am Mount Conner Lookout (bei dem Berg, der so aussieht wie Uluru) und an der Kings Creek Station sehr willkommen.

Auf der Kings Creek Station gibt es unter anderem wunderbar erfrischende Milchshakes, denn inzwischen sind die Temperaturen auf 20 Grad geklettert. Auch der kecke Papagei Charlie ist sehr lustig – er kann sogar Hello sagen!

Weniger lustig ist allerdings, was ich auf der Zapfsäule lese…

Ouback - Benzinpreise im Nirgendwo - IMG_5029

2,24 Dollar für einen (!) Liter normales bleifreies Benzin? Das sind knapp 2,00 Euro! :O

Okay, es ist Mitten im Nirgendwo und die nächste Tankstelle ist bestimmt um die 100 Kilometer entfernt. Aber trotzdem :/

Sehr interessant ist außerdem das kleine Buschfeuer, das in nicht all zu großer Entfernung brennt. Auf der Station erfahren wir, dass es sich um ein kontrolliert gelegtes Feuer handelt, um die Gefahr von natürlichen Feuerstürmen zu minimieren. Wenn das knochentrockene Gras nämlich vorsorglich verbrannt wird, fehlt einem potentiellen natürlichen Brand schlicht und ergreifend das Brennmaterial.

Outback - Buschfeuer - IMG_5036

Über dem Outback steigt eine feine Rauchsäule auf.

Als wir an unserem Campingplatz Übernachtungslager angekommen, geht bereits langsam die Sonne unter, sodass wir uns fix ans Kochen machen, die Swags ausrollen und das Lagerfeuer entfachen.

Im Laufe des Abends kommen meine Schwester und ich auch noch in den Genuss, zusammen mit Duckie unser eigenes Chocolate Damper zu backen. Damper ist quasi Buschbrot und in der Herstellung recht einfach.

Man nehme Mehl und schütte beim Kneten solange Wasser hinzu, bis es nicht mehr klumpig ist, aber trotzdem noch zusammenpappt. Diese Mehl-Wasser-Masse wird dann in einem rustikalen Topf bodendeckend so ausgerollt, dass es circa fünf Zentimeter hoch ist. Gerne wird es dann um Leckereien ergänzt, Duckie erzählte von Variationen mit Speck, Knoblauch oder auch Käse. Oder wie wir eben nicht herzhaft, sondern süß mit Schokoladenstückchen.

30 bis 40 Minuten auf der heißen Asche des Lagerfeueres gebacken ergibt es ein einfaches, aber durchaus wohlschmeckendes Brot:

Outback - Chocolate Damper - IMG_5118

Yummy, lecker Schokoladen-Damper! :-)

Das war also der zweite Tag im Outback. Freut euch auf den Bericht vom letzten Tag mit vielen Bildern vom imposanten Kings Canyon!

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