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Nach einer kühlen Nacht lag Nebel über dem Fluss. Bis auf ein paar Vogelrufe herrschte Stille. Bis die Sonne gänzlich aufgegangen war, musste die schwache Flamme des Gaskochers als einzige Wärmequelle dienen…

Der Murrumbidgee River dampft

Uns war das egal. Wir hatten gut geschlafen, ein gutes Frühstück mit netter Aussicht vor uns und über FM-Transmitter dudelte im Autoradio unsere Frühstücksmusik ohne das übliche Gelaber von Moderatoren oder Werbesprechern dazwischen (das hier in Australien deutlich ausgeprägter und nerviger ist).

Die Frühstückssachen waren schnell wieder verstaut und ab gings zurück auf den Highway. Unser heutiges Zwischenziel: Albury, die Grenzstadt schlechthin. Sie liegt nämlich am Murray River, der den größten Teil der Grenze zwischen New South Wales (NSW) und Victoria bildet.

Viel mehr wussten wir über Albury noch nicht, außer dass der Bahnhof ziemlich schön sein sollte; doch bevor wir uns dem Sightseeing widmen konnten, standen noch ein Besuch bei K-Mart auf dem Plan, da unser Gas für den Kocher zur Neige gegangen war. Anschließend fuhren wir zum Bahnhof und parkten direkt vor dem Haupteingang.

Der Bahnhof hielt, was die Gerüchte versprachen: Schon von außen bot der symmetrische, in italienischem Stil gehaltene Bau einen prächtigen Anblick mit seinen zahlreichen aber nicht zu übertriebenen Verzierungen und dem Uhrenturm in der Mitte.

Im Februar 1882 erföffnet, erfüllte der Bahnhof lange Jahre eine wichtige Funktion. Die Albury Railway Station war nicht nur der letzte Halt in New South Wales an der Great Southern Railways line (die Zugstrecke Strecke, die Sydney und Melbourne verbindet), sondern auch wichtiger Umstiegspunkt, da hier die Normalspurstrecke aus NSW und die Breitspurstrecke aus Victoria aufeinandertrafen.
Zur damaligen Zeit waren NSW und Victoria noch voneinander unabhängige Kolonien, die sich in einem stetigen wirtschaftlichen Wettstreit befanden.
Als man beschloss, die Kolonien durch Bahnstrecken zu verbinden, endeten die Bahnstrecken noch vor der Grenze in Albury und Wondonga, dem victorianischen Pendant.
Schließlich wurde 1883 die Melbourne-Wondonga-Linie bis nach Albury verlängert, wodurch Albury zu eben jenem wichtigen Umstiegs- und Warenumschlagsplatz wurde – ein Sieg für New South Wales.

1962 wurde dann auch in Victoria das Normalspursystem eingeführt, was die Albury Railway Station zum Durchgangsbahnhof werden ließ. Ab 2008 verschwand auch die als eine Art Museumsbahn weitergeführte Breitspurstrecke gänzlich. Was jedoch blieb, ist der über 450 Meter lange Bahnsteig – einer der längsten Australiens.

Auch hier hat der Architekt nicht mit Verzierungen gespart und eine schöne Bahnsteigüberdachung geschaffen. Die Innenräume des Bahnhofs sehen noch genauso aus wie früher mit hohen Decken und sogar einem Kamin.

Die Wartehalle

Unschlüssig, ob wir den restlichen Tag in Albury verbringen oder schon weiterfahren sollten, ließen wir uns in der Touristinformation (die sich zum Glück gleich neben dem Bahnhof in der ehemaligen Residenz des Bahnhofaufsehers befindet) über die Highlights der Stadt beraten. Dort empfahl man uns den historischen Stadtrundgang, dessen Route man in Eigenregie verfolgen und Informationen zu den noch stehenden Gebäuden aus der Anfangzeit Alburys in einem Heftchen nachlesen könne.

Dies ist zum Beispiel das Post Office von Albury. Ein etwas weniger schickes Gebäude wurde 1861 als Telegraphenstation errichtet, bis es 1879 durch diesen Neubau im "Victorian Free Classical" Stil ersetzt wurde. Es beinhaltete neben der Poststube weitere sechs Räume, beherbergte den Postmeister samt Familie und es gab natürlich Ställe für die Postpferde. Das Eintreffen der Postkutsche (damals etwas Besonderes) wurde durch Glockenläuten verkündet, unter anderem daher der Uhrturm.

Das "Beehive Building" erhält seinen Namen durch die Fensterbögen, die etwas wie Bienenkörbe aussehen. Es wurde zwischen den 1850ern bis in die 1880er errichtet und beherbergte in seiner Geschichte verschiedenste Geschäfte.

Eine Besonderheit: Die Ampeln in Alburys CBD sind so geschaltet, dass alle Fußgänger gleichzeitig Grün haben, wodurch man auch diagonal die Straße überqueren kann - sehr praktisch!

 

Nach der 1½-stündigen Tour fuhren wir für eine Mittagspause mit unserem Auto zu einer Stelle am Murray River, die uns auch in Touriinfo empfohlen wurde. Wir fanden einen netten Park mit stadteigenem Pizzaofen, öffentlichen BBQs und einigen Tischen vor.
Ein paar Meter weiter ging es runter zum Fluss mit Ausblick nach Victoria. Wir schossen schnell ein paar Fotos, entschieden uns aber dagegen, schwimmend die Grenze zu überqueren (so kurz nach dem Essen… ;) ).
Stattdessen begaben wir uns zurück zum Auto und auf den Weg zu unserem letzten Übernachtungsplatz auf dieser Tour.

Diesseits des Murrays ist New South Wales, dort drüben Victoria!

Über teilweise kleinere Straßen und eine nette Allee, vorbei an Feldern und Weiden erreichten wir den Rastplatz Taungurung in der Nähe von Seymour im Hellen und aßen sogar unser Dinner (es gab das kulinarische Highlight des Trips, Lachsnudeln!) noch vor Einbruch der Dunkelheit! Es liegt also ein erfolgreicher Tag hinter uns und mit dem Anbruch der Nacht neigt sich unser erster Roadtrip langsam seinem Ende entgegen, denn nach Melbourne, wo wir morgen unser Auto abgeben müssen, sind es von hier aus nur noch wenige Stunden.

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AUSTAUSCHJAHR

Zu Melbournes Selbstverständnis als kulturelle Hauptstadt Australiens gehört natürlich auch, selbst das alltägliche Straßenbild künstlerisch zu gestalten. Ein Paradebeispiel dafür ist die Webb Bridge in Docklands, die das schicke neue Wohnviertel auf der Südseite des Yarras mit dem CBD im Norden verbindet.

Auf dieser sich kunstvoll über den Fluss schwingenden Brücke können Fußgänger und Fahrradfahrer von der einen Seite auf die andere kommen – und ganz nebenbei macht sie auch noch Fotografen glücklich ;)

Melbourne Docklands Webb Bridge at night - IMG_7118

Denn pünkltich zur Abenddämmerung wird die Brücke hübsch angeleuchtet und strahlt dann hell in die Nacht hinein.

Bisher war ich (fast) immer nur im direkten City-Zentrum unterwegs, nie ein bisschen weiter weg. Das war mehr oder weniger ein Fehler, denn in Melbourne gibt es eigentlich noch SOOOO viel mehr zu sehen! Das kann ich in der mir hier “verbleibenden” Zeit schon nicht mehr aufholen…

Jetzt denkt ihr euch vielleicht: “Wie? Was? Verbleibende Zeit? Der bleibt doch noch ewig lange da unten!” Ja, das dachte ich bisher auch. Bis mir ein Blick in den Kalender heute verriet, dass das weit gefehlt war: Es sind nur noch fünf (!) Wochen und ein paar zerquetschte Tage, bis ich wieder nach Deutschland zurückkomme! Wie doch die Zeit vergeht…

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